Keine Erkenntnis - dafür aber mehr als nur ein Stift:

20.05.2011 | Samuel Helsper

Heute sollte mit großem Tam-Tam ein Abschlussvotum verabschiedet werden. Ob dies gelang ist fragwürdig. So kann ich meine Einschätzung vom vergangenem Dienstag leider nur wiederholen. Die Situation scheint sich gar verschlimmert zu haben. Wo am Dienstag noch eine halbwegs gesittete Diskussion möglich war, endete es heute in einer wilden Schreierei, ganz im Stile des lybischen Parlaments.

 

Auch die Diskussionen stehen dem in nichts nach. So wird eine halbe Stunde über ein vollkommen utopisches „Kultur-Flatrate-Modell“ diskutiert, bei dem die Einnahmen aller Künstler einfach mal weltweit gesammelt und global nach China, Amerika und Europa verteilt werden soll.  Ein bürokratischer sowie diplomatischer Albtraum. Als wenn das noch nicht schlimm genug wäre, verhielt man sich in den letzten Tagen wie die Vandalen. Bei der Bewertung der Argumente mit roten und grünen Punkten, scheint außerdem einige Verwirrung zu herrschen. Es schwirrten Sätze durch den Raum wie, „ Mach ich da einfach mal nen Punkt da hin.“, oder „Ich will mich nicht bücken, deswegen mach ich da unten nichts hin“. Und das soll die differenzierte, eigene Meinung sein, die man sich nach einer intensiven Themenwoche erarbeitet hat? Eher weniger!

Und es geht nicht wirklich besser weiter. Statt neue Ideen als eine junge und kreative Generation zu entwickeln, werden bereits vorhandene Ideen aufgegriffen und bis zum Exitus diskutiert, so dass von denen am Ende des Tages auch nichts mehr übrig bleibt. Eine Reform der GEMA ist nötig …wow… das konnte man schon vorher überall lesen. Aber nicht alles ist nur negativ. Einige Schüler beteiligen sich durchaus sehr rege an der Diskussion und bringen diese auch weiter. Einige aber auch nicht. Und das scheint leider die Mehrheit zu sein. Auch die inhaltlichen Ansätze sehen auf den ersten Blick gut aus: Gerechtigkeit und weniger Strafen für illegale Downloads. Doch dies scheint alles schon mal da gewesen zu sein. Am Schluss dieser Projektwoche bleibt für mich eher Ernüchterung. Es scheint so, als wäre es der Hälfte der Klasse im Prinzip egal, was mit unserem Kulturgut in Zukunft passiert. Schade. Trotzdem hoffe ich, dass die Schüler aus dieser eigentlich sehr schönen Projektwoche mehr als nur die Kugelschreiber und eine Handvoll Bleistifte mitnehmen.